Die erste „Nacktrede“ hielt Hundertwasser am 12. Dezember 1967 in der Galerie Hartmann in München, anlässlich einer Aktion des Pintorariums, bei der auch die anderen Mitglieder des Pintorariums, die Maler Arnulf Rainer und Ernst Fuchs, anwesend waren. Der Wortlaut der Rede in München ist erhalten, die kurz darauf gehaltene zweite Nacktrede im Internationalen Studentenheim in Wien wurde nicht aufgezeichnet. Jedoch existiert eine Niederschrift vom 26. 1. 1968, in der Hundertwasser die Umstände und Motive dieser „Nackdemonstration gegen den Rationalismus in der Architektur“ darlegt.



Hundertwasser war eingeladen worden, anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung seiner Werke im Internationalen Studentenheim zu den Studenten zu sprechen.

In der Annahme, dass es sich beim Bau des Studentenheimes um eine moderne Zweckkonstruktion handle, hatte er zwei mit Tusche angefüllte hohle Eier zur Eröffnung mitgenommen. Er wollte drastisch und sinnfällig eine Veränderung der Architektur durch Applikation von schwarzer und roter Farbe auf die leblosen Wände vornehmen.



Nach Abspielen einer Schallplatte des Malers Arik Brauer (Glaubt nicht an das Winkelmaß) warf er die beiden Eier. Er entkleidete sich und hielt im nackten Zustand eine Rede darüber, dass die Architektur, in der das Haus erbaut sei, abzulehnen sei und forderte die Studenten auf, sich gegen den Zwang, in solchen gefängnisähnlichen Räumen zu studieren, zu wehren.



Die Motive für seinen Nacktauftritt erklärte Hundertwasser wie folgt:

„Meiner Überzeugung nach ist der Mensch von drei Schichten umgeben: Von der Haut, von der Kleidung und vom Gebäude. Kleidung und Gebäude haben eine Entwicklung genommen, die nicht mehr der Natur und den Bedürfnissen des Einzelmenschen entsprechen. Im Zuge der Vermassung der Gesellschaft wird dem Einzelnen das Unangemessene aufgezwungen. Dem Protest gegen diese Umstände auf dem Gebiet der Architektur diente die Farbdemonstration, dem Protest gegen die Vergewaltigung durch die Kleidung diente die Entkleidung. So sollte jetzt das nackte, naturbelassene Individuum als Verkünder des Protestes statuiert und der korrigierten Architektur an die Seite gestellt werden.“ (aus der Niederschrift vom 26. 1. 1968)



Die Aktion wurde von der Boulevardpresse zum Skandal erhoben, unter anderem weil man darin eine besondere Brüskierung der bei der Veranstaltung anwesenden Kulturstadträtin Gertrude Sandner sah.